Kleine Schreibwerkstatt
Kleine Schreibwerkstatt - Grundregeln guten Schreibens
Der Stil eines Textes wird stark durch den individuellen Geschmack des Autors beeinflusst - besser gesagt: Ihr individueller Geschmack beeinflusst stark den Stil Ihrer Texte. Trotzdem gibt es einige Grundsätze, die für alle Texte Gültigkeit haben. Wer diese Regeln kennt und beherzigt, ist in der Lage, Informationen griffig und lesefreundlich aufzubereiten. Und er kann Texte verfassen, die Ihren Adressaten fesseln und es ihm leicht machen, mit Spannung und Interesse dabeizubleiben.
Aktiv statt passiv
Lesen Sie noch einmal die ersten beiden Sätze dieses Kapitels. Was fällt Ihnen auf? Verwenden Sie einen aktiven Sprachstil, Passivformulierungen klingen in der Regel langweilig und trocken und wecken beim Leser Assoziationen von angestaubter Bürokratie. Gestalten Sie Ihren Text aktiv und lebendig, indem Sie nicht nur Zustände sondern auch Handlungen beschreiben. Geschichten gewinnen mehr Aufmerksamkeit, wenn etwas passiert und die Dinge nicht einfach sind wie sie sind.
Kurze Wörter
Nehmen Sie sich eine Kernaussage der Verständlichkeitsforschung zu Herzen: »Fasse Dich kurz«, ist mehr als eine veraltete Regel für Telefon-Spar-Brötchen. Sie sollten Ihr Äußerstes geben, um nach den kürzesten passenden Wörtern zu suchen! Kurze Wörter sind fast immer verständlicher und zugleich kraftvoller als lange Worte. Sagen Sie also eher »Gründe« statt »Motivationsstrukturen« oder »Laune« statt »Befindlichkeitspegel« oder »leere Betten« statt »Kapazitätsüberhänge im Seminarbeherbergungsgewerbe«.
Kurze Sätze
Die Satzlänge bestimmt die Verständlichkeit eines Textes. Eine sinnvolle Obergrenze liegt bei 15 Wörtern oder 20 Silben pro Satz. Die Deutsche Presseagentur dpa – eine Kapazität für die Vermittlung von Informationen - schlägt für eine optimale Verständlichkeit maximal neun Wörter pro Satz vor. Vermeiden Sie Schachtelsätze und halten Sie sich an die einfache Regel: Erst ein Gedanke – dann der nächste Gedanke. Wer aussagekräftige und verständliche Sätze konstruieren will, beschränkt sich auf Hauptsätze. Nebensätze, Klammern oder Einschübe zwischen Gedankenstrichen zerreißen leicht den Text - und damit den Gedankenfluss des Lesers.
Satzstruktur
Cicero’s Werk vom gallischen Krieg ist zwar Weltliteratur, trotzdem sollte es Ihnen kein Vorbild bei der Konstruktion eines Satzes sein. Gerade bei längeren Sätzen darf sich das Verb nicht irgendwo am Ende aller Dinge verstecken, sonst geht der Sinnzusammenhang im Zweifelsfall verloren. Wenn Sie Ihren Leser durch mühevolles Herausklauben von Subjekt, Prädikat und Objekt langweilen, steigt er aus dem Text aus und Ihre ganze Mühe war für die Katz.
Wortschatz
Um zu beurteilen, ob Ihr Ansprechpartner die von Ihnen gewählten Worte versteht, brauchen Sie eine gute Kenntnis Ihrer Zielgruppe. Stellen Sie sich beim Schreiben immer die Frage: Wie gut versteht er aller Wahrscheinlichkeit nach das, was ich da schreibe? Vermeiden Sie Fachjargon. Übersetzen Sie Fachwörter ins Deutsche. Falls keine Übersetzung möglich ist, erstellen Sie ein erläuterndes Glossar. Abkürzungen müssen grundsätzlich eingeführt werden, erst dann dürfen sie in einem Text verwendet werden. Überlegen Sie bei Analogien und Wortspielereien, ob Ihr Leser Ihren Erfahrungshorizont teilt, damit ihre Wortkapriolen auch verstanden werden und wirkungsvoll sind.
Anschaulich & genau
Ziehen Sie konkrete Einzelbegriffe abstrakten Oberbegriffen vor. Sie sind bildhafter und anschaulicher, also statt »Kommunikationstrainings« besser »Gesprächsführung« oder »Umgang mit schwierigen Kunden«. Es ist unpräzise und ärgert Ihre Leser, wenn Sie abstrakte Oberbegriffe wahllos einsetzen und dann die Detaillierung der Information schuldig bleiben. Gestalten Sie Ihren Text lebendig: Verwenden Sie Vergleiche oder illustrieren Sie Zahlen. Oder provozieren Sie einen gedanklichen Konflikt durch die Kombination gegensätzlicher, ungewohnter oder überraschender Begriffe.
Positiv
Streichen Sie das Wort »nicht« komplett aus Ihrem Wortschatz. Beschreiben Sie die Dinge positiv und vermeiden Sie Negativ-Formulierungen. Eine Übung am Rande: Versuchen Sie einmal einen ganzen Tag lang ohne negativ geprägte Formulierungen auszukommen. Es geht Ihnen also »nicht schlecht«, sondern »ganz gut«. Sie sprechen von »Herausforderungen« statt von »Belastungen«. Sie haben keine »Befürchtungen« sondern »lassen sich überraschen«. Sie werden sehen, wie die meisten von uns dazu neigen, in Verneinungen zu kommunizieren.
Verben statt Substantive
Zu viele Substantive, speziell mit den Endungen –ung, -heit, -keit,-ismus und ähnliche, stören den Lesefluss. Sie machen den Text langweilig und im Extremfall unverständlich. Bevorzugen Sie Tätigkeitswörter statt sich im typisch deutschen Kanzleistil in Substantivierungen zu verkünsteln. Schreiben Sie »prüfen« statt »sich einer Prüfung unterziehen« und sagen Sie, dass Sie sich etwas »ansehen« statt »in Augenschein nehmen«.
Verwendung von Synonymen
Es ist wichtig einen Text sprachlich abwechslungsreich zu gestalten und Synonyme zu verwenden. Achten Sie jedoch darauf, dass das bedeutungsähnliche Wort nicht verkrampft oder künstlich klingt. Verwenden Sie beispielsweise für Ihre »Trainings« die Begriffe »Seminar«, »Workshop« oder »Veranstaltung«. Verzichten Sie auf Konstruktionen wie »Wissensvermittlungstreffen« und ähnliche Wortmonster. Nutzen Sie so genannte Synonym-Lexika oder die Thesaurus-Hilfestellung Ihrer Textverarbeitung.
Vermeiden Sie Superlative
Auch wenn Superlative gegenüber Wettbewerbern unter bestimmten Voraussetzungen rechtlich erlaubt sind, wirken Sie auf Ihr Publikum oft unglaubwürdig, angeberisch oder sogar schwülstig. Ebenso sollten Sie auf nichts sagende Attribute wie super, spezial, absolut und revolutionär ruhigen Gewissens verzichten.
Vermeiden Sie abgedroschene Floskeln
»Qualität ist unser Anspruch«, »Ihr Mitarbeiter ist der Motor Ihres Erfolges« oder »Neuer Wein in alten Schläuchen« sind Phrasen, die Ihren Lesern nicht mal mehr ein Gähnen hervorlocken. Aktivieren Sie Ihre Phantasie und finden Sie Formulierungen, die auf den Punkt das Besondere an Ihrem Ansatz fassen.
Persönlich & konkret
Sprechen Sie Ihre Adressaten direkt und persönlich an – dann fühlen sie sich auch angesprochen. Mit einer persönlichen Ansprache erhöhen Sie das Interesse an Ihrem Text und signalisieren Ihre Wertschätzung und Ihre kooperative Einstellung gegenüber dem Leser.
Überprüfen Sie Ihre Bilder
Bilder können den Text anschaulicher und verständlicher gestalten – aber nur wenn Sie Ihr Publikum nicht in die Irre führen. Manchmal befällt den Leser einfach nur ein komisches Gefühl bei der Lektüre von schiefen Wortspielen. »Sich über den Klee bemühen« oder »auf Linie halten« verwirrt und schrammt ganz knapp an dem vorbei, was Sie eigentlich ausdrücken wollen.
Das Auge liest mit
Überprüfen Sie insbesondere bei längeren Texten die Anfangswörter der einzelnen Abschnitte oder Zeilen. Vermeiden Sie Wiederholungen, denn selbst wenn Redundanzen beim echten Lesen oft kaum auffallen, irritiert es das Auge, wenn immer wieder die gleichen Vokabeln wie zum Beispiel »wer« oder »denn« am Zeilenanfang auftauchen.
Schreibweisen
Achten Sie auf die wichtigsten Konventionen journalistischen Schreibens. Zahlen von eins bis zwölf werden ausgeschrieben, alles darüber drücken Sie als arabische Ziffern aus. Ab vierstelligen Zahlen werden Tausenderpunkte verwendet. Prozentwerte versehen nur Controller, Finanzbeamte oder Bankangestellte mit einem %.
Journalisten schreiben – außer in Tabellen – das Wort aus (zu 99 Prozent).
